Dr. sc. nat. ETH Karl Knop

(12. Dezember 1943 – 19. März 2018)

Die ersten beiden Bilder wurden 2006 in Side/Türkei aufgenommen, als Karl mit vielen Physikkollegen aus aller Welt die totale Sonnenfinsternis in all ihren optischen Feinheiten erlebte. Das dritte Bild zeigt die Teilnehmer der SSOM Engelberg Lecture 2007 „Photonics in Space“ mit Karl links in der ersten Reihe.

Das langjährige SPG-Mitglied Karl Knop starb am 19. März 2018 während einer Reise nach Norwegen, als er sich den lang gehegten Wunsch erfüllte, die Faszination des Polarlichtes zu erleben. Mit ihm verliert die Schweiz einen ihrer bekanntesten Physiker an der Schnittstelle zwischen Hochschule und Industrie. Als Leiter des ehemaligen RCA Zurich Labs, später als Leiter der CSEM-Division „Photonics“ und als Mitinitiator der Schweizer Nanoconvention hat er viele Grundlagenphänomene der modernen Optik, der Photonik und speziell der Nano-Photonik frühzeitig erkannt und so weit entwickelt, dass sie heutzutage von der Industrie produktmässig eingesetzt werden können.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, setzte er sich stets für Kooperationen von Wissenschaftlern und Technikern ein. Das geschah auf vielfältige Weise, wie z.B. als Präsident der damaligen SGOEM (Schweizerische Gesellschaft für Optik und Elektronenmikroskopie; heute SSOM, Swiss Society for Optics and Microscopy) und als Leiter der Sektion Optik, als er die EOS Topical Meetings und die SSOM Engelberg Lectures im Stile von Gordon-Konferenzen mitinitialisierte und dann regelmässig auch bei deren Durchführung aktiv mitwirkte (siehe Bild 3). Dazu gehörte auch sein Engagement bei den Grundlagenprogrammen des ETH-Rats Ende der 90er Jahre wie Optique I / II, welche damals die einschlägige Schweizer Industrie so nachhaltig weiterbrachten, dass man heute über ihre Wiedereinführung nachdenkt. Schliesslich sein starkes Engagement für die Nanotechnik und hier speziell für die Nanophotonik, als er den Wechsel von der Mikro- in die Nanophysik frühzeitig erkannte.

Der Wissenschaftliche Beirat der SATW hatte bis 2011 mehrere Fachkommissionen und Karl leitete damals diejenige für Nanotechnologie. Als Physiker war er nicht nur an deren physikalisch-chemischen Aspekten interessiert, sondern zeigte auch ein äusserst grosses Interesse an der Rolle, die Nanopartikel im Menschen, d.h. für dessen Gesundheit und in der Umwelt spielen.

Die SATW faszinierte er über viele Jahre hinweg mit eigenen Beiträgen und initiierte unter anderem die SATW Tec-Days, um Jugendliche für Wissenschaft und Technik zu begeistern. Selten hat ein Programm eine solch flächendeckende positive Wirkung erzielt und für die richtige Weichenstellung in der Schweiz gesorgt, um als HighTech-Nation weltweit mithalten zu können. Mittlerweile konnten laut SATW bereits rund 50'000 Schülerinnen und Schüler sowie etwa 5‘000 Lehrpersonen von seiner Idee profitieren.

Karl war seit 1968 SPG-Mitglied, und er wirkte von 1993 - 94 als Kassier und von 1995 - 96 als Revisor.

Es war das grosse Interesse von Karl als Physiker über die Physik hinaus, das begeisterte. Er war fachlich äusserst kompetent und dachte immer interdisziplinär. Er war dynamisch und immer wieder an Neuem interessiert und zu neuen Taten bereit. Auf gemeinsamen Reisen oder bei gemeinsamen Essen konnte man mit ihm über Gott und die Welt diskutieren. Es war diese Offenheit und dieses sehr breite Interesse allem und allen gegenüber, das faszinierte. Zudem war Karl ein fantastischer Mensch, offen und ehrlich, liebenswürdig und verständnisvoll, der sich allen zuwendete und alle und alles zu verstehen versuchte. Verstehen, selber herleiten, erklären war seine Motivation, nicht anhäufen von Wissen.
Unsere tiefe Anteilnahme gilt seiner Frau Heidi und seiner Familie.

 

Bernhard Braunecker (der die Beiträge vieler Kolleginnen und Kollegen zu diesem Nachruf zusammenfasste)

 

[Veröffentlicht: Juli 2018]